Stefan Kiemel

Bereits über 20 Jahre leistet er freiwilligen Dienst im Technischen Hilfswerk. Der hauptberufliche Wirtschaftsinformatiker und Vater von zwei Töchtern ist zudem ein echter Ulmer. Aufgewachsen in Harthausen gab es nur eine kurze Zeit im bayrischen "Ausland" bevor er wieder in die Innenstadt Ulms und später nach Ulm Lehr zog.

Sport ist seine große Leidenschaft, egal ob auf der Skipiste oder im Wasser, alles muss einmal versucht werden. Besonders das Rad wird jedes Jahr viele Kilometer auf verschiedensten Rennstrecken bewegt.

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Der Ortsbauftrage im Gespräch mit einem Helfer.
Präsident Brömme im Juli 2017 zu Besuch im Ortsverband.
Eine der liebsten Nebenfunktionen des Ortsbeauftragten: Bootsführer.
Gruppenfoto der Fachgruppe Wassergefahren von 2009 mit Stefan Kiemel als Gruppenführer.
Kiemel im Einsatz als Fachberaten in Gutenstein, beim Bau einer Behelfsbrücke.
Insgeamt 9 Helfer erhalten 2013 die Fluthelfer-Medaillie für ihren Einsatz beim Oder-Hochwasser. Darunter auch Stefan Kiemel

Werdegang und Qualifikation

Im Laufe der Jahre war Stefan sich für nichts zu schade und hat sich sehr viel Fachwissen angeeignet. In den 1990ern durchlief er eine Ausbildung als Unterführer der Bergungsgruppen und war einige Zeit in dieser Funktion tätig. Seine Affinität für grosse Fahrzeuge und kniffelige Fahrmanöver konnte er als Kraftfahrer im Ortsverband ausleben. Für nahezu alle Fahrzeuge absolvierte er Ausbildungen und war auch bei diversen Fahrtrainings unter schwierigen Bedingungen, wie zum Beispiel im Gelände, dabei.

Auch auf dem Wasser war und ist Stefan zu sehen. Neben einer Ausbildung als Bootsführer und Fährenführer qualifizierte er sich auch als Ausbilder für Bootsbesatzungen.

Durch einen Wechsel in der Führung wurde Stefan 2003 zum Stellvertreter des damaligen Ortsbeauftragten Günter Jungk ernannt. Im Jahr 2005 bekam er das Amt des Fachberaters auferlegt. Wieder standen Lehrgänge an, zunächst im Rahmen der Zugführer-Qualifikation, welche auch für Fachberater Voraussetzung ist, anschließend der Aufbaulehrgang zum Fachberater.

Aufgrund seiner Qualifikation entschloss sich Stefan 2007 das ihm angebotene Amt als Gruppenführer in der Fachgruppe Wassergefahren anzutreten. Viel Arbeit kam auf ihn zu! Neben der vollständigen Renovierung zweier Boote und eines Großfahrzeugs kümmerte er sich um die Ausbildung der ehrenamtlichen THW-Kräfte und die Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft. Er unterstützte bis 2012 die Anschaffung neuer Geräte und brachte neuen Schwung in die etwas eingefahrene Gruppe, bis er sie 2012 in treue Hände übergeben konnte.

Nun war es soweit: 2012 wurde Stefan Kiemel mit eindeutiger Mehrheit zum achten Ortsbeauftragten in Ulm gewählt. Auch hier kamen wieder einige Herausforderungen auf ihn zu. Neben der Renovierung der Unterkunft, und damit verbundenen Problemen, musste sich Stefan mit der Reorganisation der Bundesanstalt beschäftigen und diese in Ulm umsetzen. Bei einer turnusgemäßen Neuwahl im Jahr 2017 fiel erneut die Mehrheit der Stimmen auf Stefan Kiemel, womit er dem Ortsverband noch mindestens bis 2022 in diesem Amt erhalten bleibt.

 

Stefan als Ortsbeauftragter

Nicht nur den Helferinnen und Helfern seines Ortsverbandes steht er mit Rat und Tat zur Seite, auch uns hat er einige Frage beantwortet.

Was waren deine Gründe zum THW zu gehen?
Meine Gründe waren ganz ordinär, ich wollte nicht zur Bundeswehr gehen, sondern Ersatzdienst leisten und gleichzeitig arbeiten können. Das war damals beim THW möglich.

Erinnerst du dich noch an deine ersten Tage nach der Grundausbildung?
Ja. [lacht] Wir waren beim Kettensägen am Michelsberg, dort gab es einige Bäume zu fällen. Ich durfte zwar selbst noch keine Motorsäge bedienen, aber es braucht ja auch Leute, die tragen. Jedenfalls ging es um 7 Uhr los und gegen 15 Uhr war ich dann schon außer Gefecht. Ich hatte mir gleich mal einen Bänderriss zugezogen. Das wusste ich natürlich noch nicht sofort. Aber mein Fuß schwoll immer mehr an und ich entschied mich schließlich ins BWK zu gehen. Da wurde dann mein Fuß gegipst und ich war erstmal ein paar Monate "out of service".

Hättest du dir jemals gedacht, dass du einmal der Ortsbeauftragte in Ulm werden würdest?
Nicht im Traum! Ich habe sogar gesagt, dass ich nie diese Funktion ausüben werde. Da war einmal der Aspekt Zeit und natürlich auch die Verantwortung. Als Ortsbeauftragte trägt man die Verantwortung für das Gesamtbudget und noch viel schlimmer auch die Verantwortung für Personal und Fahrzeuge. Ich wollte eigentlich immer nur Kraftfahrer sein oder mit meinem Wasser zu tun haben, also in der Fachgruppe Wassergefahren, als Bootsführer, Fähre fahren, Brücken bauen, irgendwie sowas. Aber bevor ich Gruppenführer der Fachgruppe Wassergefahren wurde, war ich schon einmal ein Jahr stellvertretender Ortsbeauftragter und konnte mich da schon etwas herantasten. Da war die Überwindung später nicht mehr ganz so groß.

Wie lief deine Ernennung zum Ortsbeauftragten ab?
Die Ernennung erfolgte im Zuge der 60 Jahr-Feier unseres Ortsverbandes. Das war eine wunderbare Festaktivität. Wir hatten das Zeughausstadl reserviert, sehr schönes Ambiente. Dort gab es den Festakt, mit dabei waren der damalige Oberbürgermeister Gönner, der damalige Geschäftsführer unserer zuständigen THW-Geschäftsstelle, Frieder Walz, und Vertreter anderer Ortsverbände. Insgesamt waren das bestimmt 60 bis 80 Gäste. Frieder Walz überreichte mir die Urkunde und das Abzeichen, Herr Gönner hielt eine Festrede und lobte darin das THW und das ehrenamtliche Engagement der Helfer und Helferinnen. Ich selbst musste auch ran. Ich war tierisch nervös und war mit meinen drei vorbereiteten A4-Seiten gefühlt in drei Minuten fertig. Ich erinnere mich noch, dass in diesem Zusammenhang - vielleicht war es auch erst später bei Häppchen und Sekt - Herr Gönner mir die Hand auf die Schulter legte so auf die Art "Junger Mann, das machst du schon". Das war nett und irgendwie auch lustig. Er war auch wirklich sehr angetan, dass es junge Leute gibt, die Verantwortung übernehmen und so ein Ehrenamt ausführen. Anschließend an den Festakt gab es noch eine Leistungsschau in der Hirschstraße mit vielen unserer Fahrzeuge und Geräte. Insgesamt ein wirklich besonderer Tag.

Was ist dein größter Erfolg seit du dieses ehrenvolle Amt ausführst?
Den Ortsverband gibt es noch. [lacht] Nein, im Ernst, ich denke der größte Erfolg ist der große Zuwachs bei den Helfern. Am Anfang meiner Amtszeit waren wir vielleicht zehn bis zwölf aktive Helfer. Bei der letzten Weihnachtsfeier waren es um die 35. Das ist natürlich nicht mein Erfolg, sondern unser Erfolg. Der Ortsverband steht wieder gut da, man kann ihn vorzeigen und er wird ernst genommen - Dank dem vielen, guten Personal, das wir mittlerweile wieder haben. Das macht mich sehr zufrieden und auch ein bisschen stolz.

Wenn du dir für den Ortsverband etwas wünschen könntest, was wäre das?
Einerseits die modernisierte Ausstattung, die wir seit Jahren erträumen. Auf der anderen Seite wünsche ich mir manchmal auch mehr Gelassenheit bei Helfern und Führungskräften. Manche vergessen hier und da, dass wir THW nebenbei machen und nicht 24h den Kopf für den "blauen Verein" haben, sondern auch Familie oder andere Hobbies. Das wissen übrigens auch bei den Feuerwehren viele nicht, dass wir auf Ortsverbandsebene zu 100% Ehrenamtliche sind. Da erntet man immer mal wieder erstaunte, aber gleichzeitig auch bewundernde Blicke.

2022 feiert der Ortsverband 70jähriges Jubiläum, was soll bis dahin noch geschehen?
Es gibt ein paar Themen von Seiten der THW-Leitung, den wenigen Hauptamtlichen im THW, die es in den nächsten Jahren umzusetzen gilt. Da kommt die Umstellung einiger Einheiten auf uns zu. Bei der Räumgruppe wurde das Konzept bezüglich der Baumaschinen vor ein paar Jahren geändert, vom standardmäßigen Radlader auf eine Dreiteilung innerhalb der Regionalstellen mit Radlader, Radbagger und Teleskoplader. Das wird aktuell bundesweit umgesetzt. Dadurch steht auch bei uns zeitnah eine Umstellung an mit entsprechenden, erhöhten Ausbildungsbedarfen. Auch bei unserer 2. Bergegruppe wird es größere Änderungen geben was Fahrzeuge und Geräte anbetrifft, Zukunftsvision "Fachgruppe N", wie es derzeit im THW-Jargon heißt. Zu guter Letzt stand vor ein paar Jahren im Raum die Fachgruppe Wassergefahren in Ulm zu schließen. Wir wollen Wassergefahren aber behalten oder gar ausbauen. Im Moment ist der Stand, dass bestimmtes Material im Schadensfall nicht ersetzt wird. Das ist ein Problem. Bei den vielen Gewässern, die wir in der Umgebung haben, sind vielfältige Einsatzoptionen für unterschiedliche Lagen sehr sinnvoll. Wir spielen zwar auch gerne den "Festonkel" wie beim Nabada und bei der Lichterserenade, aber es geht natürlich um mehr. Wir bemühen uns auch weiter die Zusammenarbeit mit der Stadt Ulm und den Feuerwehren in allen Bereichen auszubauen. Wir wollen hier ein ebenbürtiger Partner im Katastrophenschutz sein. Auch diverse Umbaumaßnahmen im und um den Ortsverband herum stehen aktuell noch an und sind hoffentlich bis zur 70-Jahres-Feier abgeschlossen.

Ohne Namen zu nennen, gibt es aus den Reihen der Helferinnen und Helfern jemanden, der dir auf besondere Art im Gedächtnis geblieben ist?
Du hast immer deine ein bis zwei Negativhelfer, die durch Unzuverlässigkeit hervorstechen, und du hast immer deine herausragenden Superhelfer, an die du denkst und einfach froh bist, dass du sie hast. Manche haben mittlerweile auch aufgehört, das ist natürlich sehr schade, aber gehört auch dazu. Es gibt jedenfalls auch aktuell Führungskräfte, die ich mit einem Problem konfrontieren kann und fragen, wie siehst du das. Das ist besonders deswegen gut, weil wir in Ulm schon länger ohne stellvertretende/n Ortsbeauftragte/n arbeiten. Aber große Entscheidungen zu treffen ist nicht immer einfach. Da ist eine offene und konstruktive Diskussion sehr hilfreich und bei uns zum Glück möglich.