OV Ulm unterstützt überregionale Ausbildung

Die Französischkenntnisse des Ortsbeauftragten Stefan Kiemel sind dieser Tage gefragt bei der Ausbildung der tunesischen Hilfskräfte.

In der ehemaligen Rodebilleschule wird gehämmert und gebohrt. Hier wird ein Türsturz mit Holzbohlen abgestützt, da eine Mauer durchbrochen. Es wuselt auf der Baustelle im Triftweg, die eine besondere ist und auf der ein Sprachgemisch aus Deutsch, Französisch und Arabisch zum gemeinsamen Verstehen führt. 13 Tunesier, „alles gestandene hauptamtliche Katastrophenschützer“, wie Daniel Freyer-Gottschalk, der THW-Ortsbeauftragte von Dessau, sagt, werden gegenwärtig in Dessau fortgebildet, um zu erfahren, worauf es bei der Ausbildung Ehrenamtlicher im Katastrophenschutz ankommt. Denn ehrenamtliche Strukturen werden in Tunesien erst aufgebaut.

Sinzing bei Bonn, Dessau und Dresden sind die Ausbildungsstationen für die Katastrophenschützer aus dem nördlichsten Land Afrikas. „Wir hatten uns dafür beworben“, so Freyer-Gottschalk, „und alle Voraussetzungen erfüllt.“ So also kamen die Tunesier nach Dessau, das sie erst einmal mit Schnee und Kälte empfing. Trotzdem, sagt Houda Khoffi, Projektassistentin bei der THW-Leitung in Bonn, „meistern alle die Herausforderung. Was sie hier lernen können, kommt sehr gut an.“ Und damit die Katastrophenschützer aus Tunesien alles richtig verstehen, hilft auch Houda Khoffi die Sprachbarriere zu überwinden.

„Die Verbindung von Theorie und Praxis“ ist es, die Colonel Abdelaziz Hermassi besonders gefällt. „Dadurch erleben wir eine viel intensivere Ausbildung.“ Dadurch auch würden die hauptamtlichen Katastrophenschützer am eigenen Beispiel erfahren, worauf sie achten müssen, wenn sie selbst Ehrenamtliche ausbilden. Mit in seine Heimat nehme er vor allem eines - die Arbeitssicherheit. „Wir wollen Menschen helfen, sie in Sicherheit bringen. Aber wir müssen auch auf die Sicherheit unserer eingesetzten Kräfte achten.“

Etwa 200 Ehrenamtliche, so der Colonel, haben sich bereits gemeldet, die sich in Tunesien im Bereich des Katastrophenschutzes engagieren wollen, „Grundsätzlich ist die Hilfsbereitschaft in unserem Land groß.“ Zwar sei es nicht einfach, Strukturen wie in Deutschland aufzubauen - schließlich gebe es andere Lebens- und auch klimatische Bedingungen - aber das sei ein lohnendes Ziel. „Wir möchten eine Zivilgesellschaft in unserem Land aufbauen“, so Abdelaziz Hermassi.

Und Unterstützung bekommen die Tunesier da von Kameraden des THW aus Dessau und dem gesamten Bundesgebiet. Da wird trainiert mit verschiedenen Sägen und Werkzeugen zur Gesteinsbearbeitung, da wird aber auch am Abend gemeinsam zusammengesessen und sich ausgetauscht, wie Lutz Löwe, Sachbearbeiter Einsatz in der THW-Geschäftsstelle Halle sagt. „All das hilft, sich gegenseitig kennenzulernen und es schafft Vertrauen.“ Denn auch nach den Lehrgängen soll der Kontakt nicht abreißen.